MY Jonas - Bernd Steyer/Barbara Piotrowski

Samstag, 14.06.2003. Nach langer, monotoner Fahrt auf dem Küstenkanal, schneller Schleusung in Oldenburg, befinden wir uns endlich auf der Hunte. Unser Tagesziel: Elsfleth. Am Stadtanleger ergattern wir am späten Nachmittag die letzte Lücke. Die Stimmung auf dem Steg ist seltsam aufgekratzt, etwas Besonderes liegt in der Luft. Aber was? Bald haben wir einen Segler längsseits liegen, am Abend einen zweiten. Das Geheimnis wird bald gelüftet. Es ist Stadtfest in Elsfleth. Wir genießen den Abend im Ort und fragen uns als Großstädter, wo wohl die vielen Leute herkommen. Unser Nachbar, jung, sportlich und seemännisch tätowiert erzählt, dass er von Bremerhaven nach Elsfleth zum Feiern gekommen sei. Wir sind beeindruckt. Noch beeindruckter sind wir, als er uns erzählt, dass er Mitglied der Bremerhavener Lotsenbruderschaft sei. Für unsere ungeübten Ohren hört sich das fast nach Geheimloge an. Es ist eben alles neu für uns. Eine Woche vorher hatten wir unseren Hafen Idskenhuizen im niederländischen Friesland verlassen mit dem Ziel Dänische Südsee und befanden uns nun zum ersten Mal auf deutschen Wasserwegen. Elsfleth gefiel uns, aber am nächsten Tag ging es schon wieder weiter nach Bremerhaven und der kleine Ort an der Huntemündung geriet in Vergessenheit.

Das sollte sich drei Jahre später ändern. Wir verliebten uns in eine seit Jahren nicht mehr bewohnte Fischerkate aus dem Jahr 1802 in Elsfleth-Oberhammelwarden, direkt am Weserstrand. Sie musste von Grund auf saniert werden. Es war eine riesige Aufgabe verbunden aber auch mit riesigen Träumen und der Vision von einem neuen Leben - einem Leben am Wasser in Elsfleth. Und dazu gehörte auch die Vorstellung unseren "Jonas", eine Kent 27, im wunderschönen, nahegelegenen Hafen des SWE liegen zu haben.

So machten wir uns ein zweites Mal mit unserem Boot auf den Weg, diesmal mit Elsfleth als Ziel. Beim SWE wurden wir im Sommer 2006 erst einmal Dauer-Gastlieger, stellten jedoch nach unserer Ankunft sofort den Antrag auf Mitgliedschaft und wurden bereits nach wenigen Wochen in den Verein aufgenommen. Sieben Wochen lebten wir auf unserem Boot . Die Tage verbrachten wir schwer arbeitend am Bau, die Abende an Bord. Der Umsatz an Duschmarken dürfte in diesem Sommer ein Allzeithoch erreicht haben - aber jeder erschöpfte, glückliche Abend vermittelte ein Gefühl von Urlaub. Eine schönere Umgebung nach getaner Arbeit als die des SWE-Hafens war kaum vorstellbar.

Es dauerte nicht lange und wir wurden eingeladen, um uns dem SWE-Vorstand vorzustellen. Die Vorstellung erfolgte in lockerer, entspannter Atmosphäre. Die Vorstandsmitglieder waren naturgemäß neugierig. Vor allem stellten sie sehr gezielte Fragen zu unserem beruflichen Hintergrund, die wir mit Begeisterung und ohne Argwohn beantworteten. Gerne erzählten wir von unseren interessanten Jobs im Rheinland: Barbara über ihre Tätigkeit als Theaterleiterin und ich über meine Aufgaben als Kulturamtsleiter und Ausstellungsmacher. Damit waren aber die Würfel gefallen! Es dauerte nicht mehr lange und wir fanden uns als hochgeschätzte Mitglieder des SWE-Festausschusses wieder.

Es folgten spannende und überwiegend erfolgreiche Jahre mit der Organisation des jährlichen Ansegelns, der Durchführung des Fests zur SWE-Vereinsregatta, stets unter einem Motto, teils auch mit Live-Musik. Fachvorträge, Reiseberichte, Kinoabende und Konzerte und der traditionelle Silvester-Spaziergang gehörten zum Programm. So lernten wir den SWE sozusagen im Zeitraffer kennen. Im Laufe der Jahre sind Freundschaften entstanden und es ist nicht übertrieben zu sagen, dass der SWE sicherlich auch das Einleben in unsere neue Heimat Elsfleth erleichtert hat.

Es gibt uns auch heute noch ein gutes Gefühl, wenn wir von unseren mehrmonatigen Bootsreisen - sei es nach Frankreich, wie in diesem Jahr oder Polen im vergangenen - nach Hause kommen, und beide feststellen, dass unser Heimatrevier doch das Schönste von allen ist. Immer noch verspüren wir ein leichtes Herzklopfen bei der Anfahrt zur Bootsschleuse, nur um mit den vertrauten Worten empfangen zu werden: "Na, auch wieder da? Wie war's denn? War doch einiges los bei uns im Sommer." Dann überqueren wir das Hafenbecken und werden bei der Einfahrt in unsere Box von helfenden Händen empfangen. Auch das ist Heimat.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.

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